16. Januar 2014

Jos 2,1-24

Text

1 Josua aber, der Sohn Nuns, sandte von Schittim zwei Männer heimlich als Kundschafter aus und sagte ihnen: „Geht hin, seht das Land an, auch Jericho.“ Die gingen hin und kamen in das Haus einer Hure, die hieß Rahab, und kehrten dort ein. 2 Da wurde dem König von Jericho angesagt: „Siehe, es sind in dieser Nacht Männer von Israel hereingekommen, um das Land zu erkunden.“ 3 Da sandte der König von Jericho zu Rahab und ließ ihr sagen: „Gib die Männer heraus, die zu dir in dein Haus gekommen sind; denn sie sind gekommen, um das ganze Land zu erkunden.“ 4 Aber die Frau verbarg die beiden Männer und sprach: „Ja, es sind Männer zu mir hereingekommen, aber ich wusste nicht, woher sie waren. 5 Und als man die Stadttore zuschließen wollte, als es finster wurde, gingen sie hinaus, und ich weiß nicht, wo sie hingegangen sind. Jagt ihnen eilends nach, dann werdet ihr sie ergreifen.“ 6 Sie aber hatte sie auf das Dach steigen lassen und unter den Flachsstängeln versteckt, die sie auf dem Dach ausgebreitet hatte. 7 Die aber jagten den Männern nach auf dem Wege zum Jordan bis an die Furten, und man schloss das Tor zu, als die draußen waren, die ihnen nachjagten.

8 Und ehe die Männer sich schlafen legten, stieg sie zu ihnen hinauf auf das Dach 9 und sprach zu ihnen: „Ich weiß, dass der HERR euch das Land gegeben hat; denn ein Schrecken vor euch ist über uns gefallen, und alle Bewohner des Landes sind vor euch feige geworden. 10 Denn wir haben gehört, wie der HERR das Wasser im Schilfmeer ausgetrocknet hat vor euch her, als ihr aus Ägypten zogt, und was ihr den beiden Königen der Amoriter, Sihon und Og, jenseits des Jordans getan habt, wie ihr an ihnen den Bann vollstreckt habt. 11 Und seitdem wir das gehört haben, ist unser Herz verzagt und es wagt keiner mehr, vor euch zu atmen; denn der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden. 12 So schwört mir nun bei dem HERRN, weil ich an euch Barmherzigkeit getan habe, dass auch ihr an meines Vaters Hause Barmherzigkeit tut, und gebt mir ein sicheres Zeichen, 13 dass ihr leben lasst meinen Vater, meine Mutter, meine Brüder und meine Schwestern und alles, was sie haben, und uns vom Tode errettet.“

14 Die Männer sprachen zu ihr: „Tun wir nicht Barmherzigkeit und Treue an dir, wenn uns der HERR das Land gibt, so wollen wir selbst des Todes sein, sofern du unsere Sache nicht verrätst.“ 15 Da ließ Rahab sie an einem Seil durchs Fenster hernieder; denn ihr Haus war an der Stadtmauer, und sie wohnte an der Mauer. 16 Und sie sprach zu ihnen: „Geht auf das Gebirge, dass euch nicht begegnen, die euch nachjagen, und verbergt euch dort drei Tage, bis sie zurückkommen, die euch nachjagen; danach geht eure Straße.“

17 Die Männer aber sprachen zu ihr: „Wir wollen den Eid so einlösen, den du uns hast schwören lassen: 18 Wenn wir ins Land kommen, so sollst du dies rote Seil in das Fenster knüpfen, durch das du uns herniedergelassen hast, und zu dir ins Haus versammeln deinen Vater, deine Mutter, deine Brüder und deines Vaters ganzes Haus. 19 Und wer zur Tür deines Hauses herausgeht, dessen Blut komme über ihn, aber wir seien unschuldig; doch das Blut aller, die in deinem Hause sind, soll über uns kommen, wenn Hand an sie gelegt wird. 20 Und wenn du etwas von dieser unserer Sache verrätst, so sind wir des Eides los, den du uns hast schwören lassen.“ 21 Sie sprach: „Es sei, wie ihr sagt!“, und ließ sie gehen. Und sie gingen weg. Und sie knüpfte das rote Seil ins Fenster. 22 Sie aber gingen weg und kamen aufs Gebirge und blieben drei Tage dort, bis die zurückgekommen waren, die ihnen nachjagten. Denn sie hatten sie gesucht auf allen Straßen und doch nicht gefunden. 23 Da kehrten die beiden Männer um und gingen vom Gebirge herab und setzten über und kamen zu Josua, dem Sohn Nuns, und erzählten ihm alles, was ihnen begegnet war, 24 und sprachen zu Josua: „Der HERR hat uns das ganze Land in unsere Hände gegeben, und es sind auch alle Bewohner des Landes vor uns feige geworden.“

Übersetzung der Lutherbibel 1984

 

Gedankenspiele

Nach dem Mut machenden Zuspruch handelt Josua nun. Er bereitet die Eroberung des Landes vor. Kundschafter werden ausgesandt. Und Nebenfiguren werden zu Hauptakteuren. Zwei Kundschafter und eine Prostituierte werden dafür sorgen, dass weniger Blut vergossen wird. Die Landnahme wird eine blutige Angelegenheit. Davor darf man die Augen nicht verschließen. Aber es gibt immer die Möglichkeit, andere Lösungen zu finden. Die beiden Kundschafter und Rahab finden einen Weg an der Gewalt vorbei. Vielleicht weil Rahab erkennt: Denn der HERR, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf Erden. Und diesem Gott fühlen sich beide Seiten verpflichtet. Die Kundschafter geben die Zusage, Rahab und ihre Familie und alle, die in ihrem Hause sein werden, bei der Eroberung Jerichos zu beschützen; und Rahab gibt ihr Versprechen, die Unternehmung nicht zu verraten. So verschieden die Interessen der beiden Parteien auch sein mögen, sie treffen sich in der des Anspruchs Gottes als Gott des Himmels und der Erde.

 

Ich muss zugeben, dass ich mit den alttestamentlichen Eroberungsgeschichten immer meine Probleme habe. Es werden Menschen sterben für den Heilsplan Gottes mit Israel!

Wie historisch die Überlieferungen sind, mag dahingestellt sein. Die Botschaft jedoch ist: Wer den Gott Israels anerkennt, wird leben. Ein wenig ungeschützt muss ich das so formulieren. Denn Rahab muss auf den Glauben der Kundschafter an ihren Gott vertrauen und damit auch gleichzeitig diesem Gott, der ihr eigentlich fremd ist. Auch für mein Leben – bei meinen Auf- und Umbrüchen im Leben gilt: Ich vertraue auf den Gott, der oben im Himmel und unten auf Erden ist.

 

 

Nachbemerkung:

Rahab taucht im Stammbaum Jesu in Mt 1,5 auf: sie ist die Ururgroßmutter König Davids.

 

Gebet

Wie viel Leid und Gewalt sind in deinem Namen, Gott geschehen! Kann ich da unterscheiden zwischen gerecht und ungerecht? Ich kann es nicht! Lass mich an deinem Namen festhalten und dann so handeln, dass es den Menschen hilft – egal welchen Gott sie anbeten. Du bist mein Gott. Auch wenn ich deine dunklen Seiten nicht verstehen werde, so möchte ich doch von deiner Lebensbejahung reden und damit den Menschen und mir Mut zum Leben und zum Glauben machen. Amen.

 

 

Wer mag, kann seine Gedanken zum Bibeltext hier aufschreiben oder bereits Niedergeschriebenes diskutieren.

Bitte dabei darauf achtgeben, dass fair miteinander umgegangen wird. Die Texte sollen die Leser bereichern und nicht verletzen.

 

Ihr / Euer Joachim Zierke.

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