20. Januar 2014

Jos 5,13-15

Text

13 Und es begab sich, als Josua bei Jericho war, dass er seine Augen aufhob und gewahr wurde, dass ein Mann ihm gegenüberstand und ein bloßes Schwert in seiner Hand hatte. Und Josua ging zu ihm und sprach zu ihm: „Gehörst du zu uns oder zu unsern Feinden?“ 14 Er sprach: „Nein, sondern ich bin der Fürst über das Heer des HERRN und bin jetzt gekommen.“ Da fiel Josua auf sein Angesicht zur Erde nieder, betete an und sprach zu ihm: „Was sagt mein Herr seinem Knecht?“ 15 Und der Fürst über das Heer des HERRN sprach zu Josua: „Zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn die Stätte, darauf du stehst, ist heilig.“ Und so tat Josua.

Übersetzung der Lutherbibel 1984

 

Gedankenspiele

Wieder eine Parallel zwischen Mose und Josua. Mose sieht in der Wüste einen brennenden Dornbusch und die Stimme Gottes fordert ihn auf, seine Schuhe auszuziehen, da er auf heiligem Land stehe. Und Josua ergeht es genauso. Auch er steht auf heiligem Boden. Auch er zieht seine Schuhe aus.

Eine merkwürdig altertümlich klingende Episode. Sie ist eingebettet zwischen dem Übergang über den Jordan, dem Beschneidungsritus und der Eroberung Jerichos. Nun beginnt die Aufgabe Josuas. Er soll das verheißene Land erobern. Und nun, als ihm vielleicht die ersten Zweifel kommen vor dieser großen Aufgabe, wird er noch einmal bestärkt: der Fürst über das Heer des Herrn steht ihm gegenüber. Josua spürt, dass er nicht nur mit seiner menschlichen Stärke an die Aufgabe herangehen muss, sondern dass Gott ihn mit seinen Heerscharen unterstützen wird. Das gibt ihm Mut und Zuversicht. Und das ist wohl auch die Motivation, diese Episode an dieser Stelle einzufügen, obwohl man auf Josuas Frage „Was sagt mein Herr seinem Knecht?“ eine andere Antwort erwartet als: „Zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn die Stätte, darauf du stehst, ist heilig.“

 

Manchmal wünsche ich mir auch so ein göttliches Heer, das mit mir streitet. Einige Aufgaben, denen ich mich stellen muss, scheinen mir zu groß. Alleine kann ich sie nicht bewältigen. Ob es nun schwierige und Lebensweichen stellende Entscheidungen sind oder ich einfach Angst habe, Stellung zu beziehen gegen eine Mehrheitsmeinung.

 

„Zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn die Stätte, darauf du stehst, ist heilig.“ Das ist die merkwürdig klingende Antwort auf Josuas Frage. Ein heiliger Ort ist ein Ort, an dem die Nähe Gottes in besonderer Weise erfahren werden kann. Als evangelische Christen haben wir keine besonders geheiligten Orte. Vielleicht finden wir in bestimmten Räumen oder Umgebungen leichter zur Ruhe und werden empfindsam für Gottes Gegenwart – in einer Kirche z.B. Aber Gott ist an jedem Ort, in jedem Raum in gleicher Weise gegenwärtig. Wenn ich mir das klar mache, dann habe ich ihn immer an meiner Seite – auch in den Aufgaben, die mich herausfordern. Denn für mich gilt: Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

 

Gebet

Du bist da, mein Gott. Ich bitte dich nicht um mehr, als das immer in meinem Bewusstsein zu haben: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. An jedem Ort – zu jeder Zeit – du bist da, mein Gott. Dafür danke ich dir. Amen.

 

Wer mag, kann seine Gedanken zum Bibeltext hier aufschreiben oder bereits Niedergeschriebenes diskutieren.

Bitte dabei darauf achtgeben, dass fair miteinander umgegangen wird. Die Texte sollen die Leser bereichern und nicht verletzen.

 

Ihr / Euer Joachim Zierke.

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