21. Januar 2014

Jos 6,1-10

Text

1 Jericho aber war verschlossen und verwahrt vor den Israeliten, sodass niemand heraus- oder hineinkommen konnte. 2 Aber der HERR sprach zu Josua: „Sieh, ich habe Jericho samt seinem König und seinen Kriegsleuten in deine Hand gegeben. 3 Lass alle Kriegsmänner rings um die Stadt herumgehen einmal und tu so sechs Tage lang. 4 Und lass sieben Priester sieben Posaunen tragen vor der Lade her, und am siebenten Tage zieht siebenmal um die Stadt und lass die Priester die Posaunen blasen. 5 Und wenn man die Posaune bläst und es lange tönt, so soll das ganze Kriegsvolk ein großes Kriegsgeschrei erheben, wenn ihr den Schall der Posaune hört. Dann wird die Stadtmauer einfallen und das Kriegsvolk soll hinaufsteigen, ein jeder stracks vor sich hin.“

6 Da rief Josua, der Sohn Nuns, die Priester und sprach zu ihnen: „Bringt die Bundeslade und sieben Priester sollen sieben Posaunen tragen vor der Lade des HERRN.“ 7 Zum Volk aber sprach er: „Geht hin und zieht um die Stadt; und die Kriegsleute sollen vor der Lade des HERRN hergehen.“

8 Als Josua das dem Volk gesagt hatte, trugen die sieben Priester sieben Posaunen vor der Lade des HERRN her und gingen und bliesen die Posaunen, und die Lade des Bundes des HERRN folgte ihnen nach. 9 Und die Kriegsleute gingen vor den Priestern her, die die Posaunen bliesen, und das übrige Volk folgte der Lade nach und man blies immerfort die Posaunen. 10 Josua aber gebot dem Kriegsvolk und sprach: „Ihr sollt kein Kriegsgeschrei erheben noch eure Stimmen hören lassen, noch soll ein Wort aus eurem Munde gehen bis auf den Tag, an dem ich zu euch sage: »Macht ein Kriegsgeschrei!« Dann sollt ihr das Kriegsgeschrei erheben.“

Übersetzung der Lutherbibel 1984

 

Gedankenspiele

Altbekannt auch diese Episode aus dem Josuabuch. Die Posaunen von Jericho sind fast schon sprichwörtlich geworden. Warum diese Anweisungen, die so langatmig klingen? Warum müssen die Israeliten sechs Tage lang je einmal um die Stadt ziehen und am siebten Tag dann siebenmal? Und warum stürzen die Mauern beim Schall der Posaunen dann ein? Wenn Gott Jericho in die Hand der Israeliten geben will, dann könnte das doch auch viel schneller und einfacher geschehen!

 

Ich glaube, dass diese Episode Geduld lehrt. Natürlich erscheint es lang und unnütz, was da vor den Toren Jerichos geschieht – oder eben nicht geschieht. Und sicherlich sind auch einige der Menschen ungeduldig geworden und haben den Sinn nicht eingesehen.

 

Wie oft habe ich schon das Ziel vor Augen und weiß anscheinend genau, wie ich es erreichen kann. Und dann dauert es und dauert es, bis endlich etwas geschieht. In meiner Ungeduld greife ich in einen Prozess ein, meine ihn beschleunigen zu können. Und ich merke im Nachhinein, dass die Zeit noch nicht reif war für mein schnelles Handeln.

Geduld üben. (Lebens-)Ziele in Ruhe bedenken. Sie im Gebet vor Gott bringen. In der Stille hören auf die Antwort Gottes. Diese Haltung bringt mich eher auf den Weg, den ich gehen soll, als übereilte Entscheidungen und das Forcieren zur falschen Zeit. Gottes Weg für mich kann ja auch ein ganz anderer sein … Denn Gott sagt durch den Propheten Jesaja:

Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken,

und eure Wege sind nicht meine Wege,

spricht der HERR,

sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde,

so sind auch meine Wege höher als eure Wege

und meine Gedanken als eure Gedanken.

Jes 55,8-9

 

Darauf will ich meine Geduld setzen.

 

Gebet

Ich bete mit der Stilleperle in der Hand:

Zeige mir, Herr, den Weg, den du mich leiten willst. Öffne mich für deine Wege und Gedanken, damit ich ihn nicht verfehle. Du kennst mein Lebensziel. Du gehst mir nach. Und du führst mich immer wieder zurück, wo du mich brauchst. --- STILLE --- Amen.

 

 

Ich lade dazu ein, die eigenen Gedankenspiele zum Bibeltext hier aufzuschreiben oder bereits Niedergeschriebenes zu diskutieren.

Gebt bitte dabei darauf acht, dass ihr fair miteinander umgeht. Die Texte sollen die Leser bereichern und nicht verletzen.

 

Ihr / Euer Joachim Zierke.

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