22. Januar 2014

Jos 6,11-27

Text

11 So ließ er die Lade des HERRN rings um die Stadt ziehen einmal und sie kamen zurück in das Lager und blieben darin über Nacht. 12 Und Josua machte sich früh am Morgen auf und die Priester trugen die Lade des HERRN. 13 So trugen die sieben Priester die sieben Posaunen vor der Lade des HERRN her und bliesen immerfort die Posaunen; und die Kriegsleute gingen vor ihnen her, und das übrige Volk folgte der Lade des HERRN und man blies immerfort die Posaunen. 14 Am zweiten Tage gingen sie auch einmal um die Stadt und kamen zurück ins Lager. So taten sie sechs Tage. 15 Am siebenten Tage aber, als die Morgenröte aufging, machten sie sich früh auf und zogen in derselben Weise siebenmal um die Stadt; nur an diesem Tag zogen sie siebenmal um die Stadt. 16 Und beim siebenten Mal, als die Priester die Posaunen bliesen, sprach Josua zum Volk: „Macht ein Kriegsgeschrei! Denn der HERR hat euch die Stadt gegeben. 17 Aber diese Stadt und alles, was darin ist, soll dem Bann des HERRN verfallen sein. Nur die Hure Rahab soll am Leben bleiben und alle, die mit ihr im Hause sind; denn sie hat die Boten verborgen, die wir aussandten. 18 Allein hütet euch vor dem Gebannten und lasst euch nicht gelüsten, etwas von dem Gebannten zu nehmen und das Lager Israels in Bann und Unglück zu bringen. 19 Aber alles Silber und Gold samt dem kupfernen und eisernen Gerät soll dem HERRN geheiligt sein, dass es zum Schatz des HERRN komme.“

20 Da erhob das Volk ein Kriegsgeschrei und man blies die Posaunen. Und als das Volk den Hall der Posaunen hörte, erhob es ein großes Kriegsgeschrei. Da fiel die Mauer um und das Volk stieg zur Stadt hinauf, ein jeder stracks vor sich hin. So eroberten sie die Stadt 21 und vollstreckten den Bann an allem, was in der Stadt war, mit der Schärfe des Schwerts, an Mann und Weib, Jung und Alt, Rindern, Schafen und Eseln. 22 Aber Josua sprach zu den beiden Männern, die das Land erkundet hatten: „Geht in das Haus der Hure und führt die Frau von da heraus mit allem, was sie hat, wie ihr es ihr geschworen habt.“ 23 Da gingen die Männer, die Kundschafter, hinein und führten Rahab heraus samt ihrem Vater und ihrer Mutter und ihren Brüdern und alles, was sie hatte, und ihr ganzes Geschlecht und brachten sie außerhalb des Lagers Israels unter. 24 Aber die Stadt verbrannten sie mit Feuer und alles, was darin war. Nur das Silber und Gold und die kupfernen und eisernen Geräte taten sie zum Schatz in das Haus des HERRN. 25 Rahab aber, die Hure, samt dem Hause ihres Vaters und alles, was sie hatte, ließ Josua leben. Und sie blieb in Israel wohnen bis auf diesen Tag, weil sie die Boten verborgen hatte, die Josua gesandt hatte, um Jericho auszukundschaften.

26 Zu dieser Zeit ließ Josua schwören: „Verflucht vor dem HERRN sei der Mann, der sich aufmacht und diese Stadt Jericho wieder aufbaut! Wenn er ihren Grund legt, das koste ihn seinen erstgeborenen Sohn, und wenn er ihre Tore setzt, das koste ihn seinen jüngsten Sohn!“ 27 So war der HERR mit Josua, dass man ihn rühmte im ganzen Lande.

Übersetzung der Lutherbibel 1984

 

Gedankenspiele

Jetzt sitze ich als Kriegsdienstverweigerer vor diesem Text für den heutigen Tag. Auf der einen Seite geht die Geschichte gut für Rahab und ihre Familie aus. Sie wird gerettet, wie es ihr versprochen worden war. Auf der anderen Seite wird der Bann mit der Schärfe des Schwerts, an Mann und Weib, Jung und Alt, Rindern, Schafen und Eseln vollstreckt. Wie viele Einwohner mag Jericho damals gehabt haben? Eigentlich ist es ja auch egal. Sie kommen alle um. Immer wieder wird in den Landnahmeerzählungen des Josuabuches davon erzählt, wie Menschen sterben, weil sie nicht dem Volk Israel angehören.

Historisch gesehen wird die Einwanderung der Gruppen, die sich als „Volk Israel“ später eine gemeinsame Identität gegeben haben, anders verlaufen sein. Die biblischen Berichte legen Wert darauf, dass Gott JHWH sein Volk in das verheißene Land führt und für dieses Volk streitet, wenn es sich an seine Vorgaben hält.

 

Wenn ich einmal vom kriegerischen Geschehen absehe, dann lese ich aus diesem und ähnlichen Texten heraus: das Erfüllen des Willens Gottes (Gesetz) kommt als erstes; wenn ich dem nachkomme, erfüllt sich seine Verheißung (Evangelium). Für Israel ist das Erfüllen des Gesetzes konstitutiv. Immer wieder wird es sich in der langen Königszeit zeigen, dass daran ein guter und ein schlechter Herrscher unterschieden werden. Und diese Erzählungen aus dem Josuabuch erinnern die Leser immer wieder daran: „Wenn wir Gottes Willen erfüllen, steht Gott auf unserer Seite!“

 

Seit Gott sich in Jesus Christus auf die Seite der Menschen gestellt hat, hat sich das Verhältnis von Gesetz und Evangelium umgekehrt. Ich darf mir zusagen lassen, dass Gott für mich ist (Evangelium); und weil ich das erfahre, ist das Einhalten seines Gesetzes – die Nächsten- und Gottesliebe – meine einzige Antwort auf diese gute Botschaft.

 

Vielleicht ist die Rettung Rahabs und ihrer Familie ja schon so ein Vorgriff auf diese Verhältnisumkehrung: Rahab versteckt die Kundschafter und bewahrt sie vor dem sicheren Tod und erfährt Rettung. Sie verlässt sich auf das Wort der Kundschafter und damit auch auf einen Gott, dessen Macht sie erkennt und unter dessen Schutz sie sich stellt.

 

Ist dieses Gedankenspiel gewagt?

Was meint ihr?

 

Gebet

Ich bete mit der Perle der Nacht in der Hand:

 

Herr, mein Gott, manchmal stehe ich vor deiner Heilsgeschichte mit dem Volk Israel und kann vieles nicht verstehen. Ich rede von einem Gott der Liebe und der Zuwendung – und lese vom Tod, der in deinem Namen über Menschen gebracht wird. Diese deine dunkle Seite wird mir verborgen bleiben. Amen.

 

 

Ich lade dazu ein, die eigenen Gedankenspiele zum Bibeltext hier aufzuschreiben oder bereits Niedergeschriebenes zu diskutieren.

Gebt bitte dabei darauf acht, dass ihr fair miteinander umgeht. Die Texte sollen die Leser bereichern und nicht verletzen.

 

Ihr / Euer Joachim Zierke.

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