3. Januar 2014

Joh 2,13-25

Text

Von Jerusalem bis Kana

13 Das Passafest der Juden stand kurz bevor. Da ging Jesus nach Jerusalem hinauf. 14 Im Tempel traf er auf Händler, die Rinder, Schafe und Tauben verkauften. Auch Geldwechsler saßen dort. 15 Da machte Jesus sich aus Stricken eine Peitsche und jagte sie alle aus dem Tempel hinaus mitsamt den Schafen und Rindern. Die Münzen der Geldwechsler fegte er zu Boden und stieß die Tische um. 16 Die Taubenhändler fuhr er an: "Schafft das weg von hier! Hört auf, das Haus meines Vaters zu einer Markthalle zu machen!"

17 Seine Jünger mussten daran denken, dass in den Heiligen Schriften steht: "Der Einsatz für dein Haus wird mich aufreiben!"

 

18 Da stellten ihn die Vertreter der jüdischen Behörden zur Rede. Sie fragten: "Mit was für einem Zeichen kannst du uns beweisen, dass du so etwas tun darfst?" 19 Jesus antwortete ihnen: "Reißt diesen Tempel ab und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen.“ 20 Da sagten die Juden: "An diesem Tempel hat man 46 Jahre lang gebaut. Und du willst ihn in drei Tagen wieder aufbauen?" 21 Jesus hatte aber mit dem Tempel seinen Leib gemeint. 22 Als er vom Tod auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er das gesagt hatte. Sie glaubten der Heiligen Schrift und dem Wort von Jesus.

 

Jesus kennt die Menschen

23 Während des Passafests hielt Jesus sich dann in Jerusalem auf. Viele Menschen glaubten an seinen göttlichen Auftrag. Denn sie sahen die Zeichen, die er vollbrachte. 24 Aber Jesus vertraute sich den Menschen nicht an. Denn er durchschaute sie alle. 25 Er hatte es auch nicht nötig, dass ihm jemand Auskunft über die Menschen gab. Denn er selbst kannte das Innerste der Menschen genau.

Übersetzung der Basisbibel

 

Gedankenspiele

Ein ganz anderer Jesus begegnet mir hier. Gerade noch der feiernde, Wasser in Wein wandelnde Menschenfreund – und nun der Peitsche schwingende, Tische umstoßende und die Gewohnheiten brüskierende Aktivist. Das, was die Händler im und um den Tempel herum taten, das hatte seine Tradition und war von den Tempeloberen so erlaubt. Ihr Handel und ihre Wechselstuben erleichterten den Pilgern aus aller Herren Ländern das Opfer, das sie am Passafest darbringen wollten.

Jesus nun stellt dies alles in Frage. Ich glaube, dass es ihm weniger um Händler und Geldwechsler geht. Die machen ihre Geschäfte – hier oder woanders. Jesus geht es vielmehr um die Gläubigen, um die, die in der Episode gar nicht vorkommen. Es geht ihm um die Haltung, mit der die Menschen zum Tempel des einen Gottes kommen, um ihm Ehre zu erweisen – damals waren es eben die Opfertiere. Sie sollen bewusster in diesen Ritus hineingehen und nicht mal eben nebenbei noch ein Opfertier kaufen. Es geht um die innere Haltung.

Mit einem Satz wie: „Das finde ich aber nicht gut, wie das hier organisiert ist!“, hätte Jesus keine Aufmerksamkeit erhalten. Niemand wäre zum Nachdenken gekommen. Niemand hätte nachgefragt – weder Händler noch Pilger noch Tempelobere.

Doch mit seiner Aktion kann er zum Nachdenken anstoßen: Viele Menschen glaubten an seinen göttlichen Auftrag. Denn sie sahen die Zeichen, die er vollbrachte.

 

Oft denke ich, dass wir in der Kirche auch solch aufrüttelnde Aktionen brauchen, um deutlich zu machen, was in Kirche und Gesellschaft falsch läuft und anders besser gemacht werden könnte. Und ich selber merke bei mir, dass ich immer wieder aufs Neue Anstöße von außen brauche, um anders auf das zu blicken, was ich ganz selbstverständlich tue oder lasse. Der christliche Glaube ist nicht nur Hoffnung auf eine bessere Welt, sondern Auftrag schon jetzt für Veränderungen einzutreten. Und das geht anscheinend an vielen Stellen nur, wenn wir als Christinnen und Christen den Entscheidungsträgern auch auf die Füße treten und ihnen in Wort und Tat deutlich machen, wo eine neue Sicht der Dinge erforderlich ist - und dann aber auch selber an den Veränderungen mitwirken.

„Was würde Jesus dazu sagen?“ wurde zur Leitfrage Martin Niemöllers nach den Erfahrungen und Erleidungen unter der Nazi-Herrschaft. Diese Frage sollte ich mir viel öfter stellen.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, immer wieder stoße ich an meine eigenen Grenzen. Ich schaue mich um in der Welt, in meiner Stadt, in meiner Gemeinde. Und ich sehe manches, was anders sein könnte, anders sein sollte. Gib mir den Mut, die Dinge beim Namen zu nennen, überzeugend zu sein aus meinem Glauben heraus. Du bist in Wort und Tat eingetreten gegen Missstände – mal laut und mal leise – aber immer zum Wohle der Menschen. Lass mich Mut und Menschen finden, die diesen Weg mit dir weitergehen möchten. Amen.

 

Wer mag, kann seine Gedanken zum Bibeltext hier aufschreiben oder bereits Niedergeschriebenes diskutieren.

Bitte dabei darauf achtgeben, dass fair miteinander umgegangen wird. Die Texte sollen die Leser bereichern und nicht verletzen.

 

Ihr / Euer Joachim Zierke.

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