30. Januar 2014

Jos 11,16-23

Text

16 So nahm Josua dies ganze Land ein, das Gebirge und alles, was im Süden liegt, und das ganze Land Goschen und das Hügelland und das Jordantal und das Gebirge Israel mit seinem Hügelland, 17 von dem kahlen Gebirge an, das aufsteigt nach Seïr hin, bis nach Baal-Gad in der Ebene beim Gebirge Libanon, am Fuße des Berges Hermon. Alle ihre Könige nahm er gefangen und schlug sie nieder und tötete sie. 18 Er kämpfte aber eine lange Zeit mit diesen Königen. 19 Es war keine Stadt, die Frieden machte mit den Israeliten, ausgenommen die Hiwiter, die in Gibeon wohnten; sondern sie eroberten sie alle im Kampf. 20 So geschah es von dem HERRN, dass ihr Herz verstockt wurde, im Kampf Israel zu begegnen, damit sie mit dem Bann geschlagen würden und ihnen keine Gnade widerführe, sondern sie vertilgt würden, wie der HERR dem Mose geboten hatte. 21 Zu der Zeit kam Josua und rottete aus die Anakiter von dem Gebirge, von Hebron, von Debir, von Anab und vom ganzen Gebirge Juda und vom ganzen Gebirge Israel, und er vollstreckte an ihnen den Bann mit ihren Städten 22 und ließ keine Anakiter übrig im Lande der Israeliten außer in Gaza, in Gat, in Aschdod; dort blieben einige von ihnen übrig. 23 So nahm Josua das ganze Land ein, ganz so, wie der HERR zu Mose geredet hatte, und gab es Israel zum Besitz, einem jeden Stamm sein Teil. Und das Land war zur Ruhe gekommen vom Kriege.

Übersetzung der Lutherbibel 1984

 

Gedankenspiele

Und das Land war zur Ruhe gekommen vom Kriege.

Nachdem die Landnahme mit ihren kriegerischen und blutigen Auseinandersetzungen zum Ende gekommen ist, möchte ich am liebsten durchatmen. Von der ersten Erkundung des Landes durch Josua selbst (4. Mose 13) bis zum Ende der Landnahme (Jos 11) sind 45 Jahre vergangen (vgl. Jos 14,7-10). Fast zwei Generationen haben in Krieg und Auseinandersetzung gelebt. Menschen, die mitten im Leben stehen, haben keine Zeit ohne Waffengewalt und wahrscheinlich auch Angst um das eigene Leben gekannt – unter den Israeliten ebenso wie unter den Menschen, die Kanaan ursprünglich besiedelten.

 

Wie sehr sind wir Menschen doch geprägt von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gegebenheiten, in denen wir aufwachsen. Ich mag mir solch eine lange Zeit des Krieges nicht vorstellen. Schon die Jahre des 1. und 2. Weltkrieges gehen ihrer Länge nach nicht in mein Vorstellungsvermögen. Und ob die Sieger – damals zur Zeit Josuas und in den Kriegen des 20. Jahrhunderts und der Gegenwart – glücklich sind? Ich weiß es nicht. „Im Krieg gibt es nur Verlierer!“ heißt es. Ich denke, dass das wahr ist. Auch die Sieger leiden – wenn sie menschlich sind – unter der Gewalt, die sie den anderen angetan haben. Man muss nur einmal lesen, was die zurückgekehrten Soldaten aus Afghanistan über das erzählen, was ihnen begegnet ist.

 

Und das Land war zur Ruhe gekommen vom Kriege.

Das Land ja – aber die Menschen auch?

Gott hat an der Seite Israels gestanden und ihnen zu dem Sieg verholfen, der ihnen nun Siedlungsgebiete zusichert. In den folgenden Kapiteln, die nicht zur Bibellese vorgeschlagen sind, wird dieses Land nun an die Stämme Israels verteilt. Diese Erfahrung des Dabeiseins Gottes gehört zu den elementarsten Glaubensaussagen Israels. Und wenn man sich die Kräfteverhältnisse anschaut, war dieser Sieg ohne Gott Jahwe an der Seite kaum denkbar. Und doch hoffe ich, dass niemand mehr auf sein Koppelschloss schreibt: „Gott mit uns!“, wenn er in den Krieg zieht. Einen Gott, der in den Krieg zieht, braucht es nach seiner Menschwerdung in Jesus Christus nicht mehr. Jeder Mensch hat sein Lebensrecht auf Erden. Das durchzusetzen bedarf der Toleranz, der Empathie, der Nächstenliebe gerade gegenüber dem Anderen.

 

Gebet

Herr, mein Gott, wirke durch deinen Heiligen – Heilenden – Geist, dass das Recht auf Leben, Heimat, Religionsfreiheit und Unversehrtheit in dieser Welt umgesetzt werden kann. Lass die Menschen mit ihren verschiedenen Religionen und Weltanschauungen in versöhnter Verschiedenheit zusammenleben. Auch wenn ich manches an den anderen nicht verstehe, so lass mich offen und ehrlich mit ihnen reden und leben. Denn Versöhnung und Frieden beginnt bei mir. Amen.

 

Ich lade dazu ein, die eigenen Gedankenspiele zum Bibeltext hier aufzuschreiben oder bereits Niedergeschriebenes zu diskutieren.

Gebt bitte dabei darauf acht, dass ihr fair miteinander umgeht. Die Texte sollen die Leser bereichern und nicht verletzen.

 

Ihr / Euer Joachim Zierke.

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