8. Januar 2014

Joh 3,31-36

Text

31 "Wer von oben kommt, steht über allen. Wer dagegen von der Erde stammt, gehört zur Erde und spricht aus irdischer Sicht. Er, der vom Himmel kommt, steht über allen. 32 Was er dort gesehen und gehört hat, dafür tritt er hier als Zeuge auf. Aber niemand glaubt einer Zeugenaussage. 33 Wer auf das hört, was er bezeugt, bestätigt damit: Was Gott sagt, das ist wahr.

34 Der, den Gott gesandt hat, der spricht die Worte Gottes. Denn Gott gibt ihm den Geist

in seiner ganzen Fülle. 35 Der Vater liebt den Sohn und hat ihm alles anvertraut. 36 Wer an den Sohn glaubt, erhält das ewige Leben. Wer sich aber vom Sohn abwendet, wird das Leben nicht sehen. Dem Zorn Gottes entgeht er nicht.

Übersetzung der Basisbibel

 

Gedankenspiele

Es klingt so einfach mit den Worten des Johannes, und es ist so wahr: Unsere menschliche Weltsicht ist beschränkt.

Wir können nur einen Teil dessen wahrnehmen, was zu unserer Wirklichkeit gehört. Wir brauchen jemanden, der uns den Zugang zur Wirklichkeit Gottes eröffnet. Gott selber hat uns diesen Weg geebnet. In seinem Sohn Jesus Christus ist er Mensch geworden und kann in unserer Wirklichkeit die göttliche Wahrheit bezeugen. Jesus Christus zeigt uns, wie Gott zu uns ist: er ist uns zugewandt und begegnet uns da, wo wir leben. Gott will es mit uns zu tun haben.

 

Aber es bleibt diese letzte Aussage in der Rede des Johannes an seine Jünger: Wer an den Sohn glaubt, erhält das ewige Leben. Wer sich aber vom Sohn abwendet, wird das Leben nicht sehen. Dem Zorn Gottes entgeht er nicht.

Dass mir der Blick für die Wirklichkeit Gottes verstellt ist, wenn ich nicht auf Worte und Taten Jesu höre und schaue, und dass ich so auch Leben verfehlen kann, ist mir bewusst. Doch hier vom Zorn Gottes zu hören, den ich mit Strafe verbinde, bereitet mir doch Schwierigkeiten.

Vielleicht kann ich es so verstehen: Wir nehmen uns das Recht heraus, zornig zu sein. Besonders ergreift uns der Zorn, wenn etwas ungerecht und willkürlich geschieht. Dann richtet sich unser Zorn gegen die Verursacher dieser Willkür, und wir wollen Gerechtigkeit herstellen, indem wir strafen. Gottes Zorn zeigt sich anders. Auch er möchte Gerechtigkeit herstellen. Doch dazu lenkt er unseren Blick auf den leidenden Christus. Nicht Strafe folgt Gottes Zorn, sondern sein Wort: „Erkennt in meinem Leiden das Leiden der Welt – und steht gegen dieses Leiden auf!“ Gottes Zorn will nicht strafen, sondern Leben ermöglichen.

 

Doch irgendwie holpern die Gedanken doch noch …

 

Gebet

Herr, mein Gott, du bist nicht zu fassen. Mein Verstand reicht nicht aus, um dein Wesen zu ergründen. Zu dir gehören die hellen Seiten, die ich erkenne und in denen ich Liebe und Zuwendung spüren darf. Zu dir gehören aber auch die dunklen Seiten, die ich nicht ergründen kann. Unsere menschlichen Worte sprechen von Zorn und Gericht. Ich mag sie nicht in den Mund nehmen. Ich muss diese Gedanken in deinem göttlichen Geheimnis verborgen lassen. Doch weil du mich nicht verlässt, muss ich vielleicht auch gar nicht alles verstehen, was nicht zu fassen ist. Amen.

 

Wer mag, kann seine Gedanken zum Bibeltext hier aufschreiben oder bereits Niedergeschriebenes diskutieren.

Bitte dabei darauf achtgeben, dass fair miteinander umgegangen wird. Die Texte sollen die Leser bereichern und nicht verletzen.

 

Ihr / Euer Joachim Zierke.

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