Karfreitag

(c) Joachim Zierke

 

Deine Herrlichkeit, mein Gott, ist erloschen.

 

Ich halte die Dunkelheit aus – STILLE

Ich verstehe es nicht, mein Gott, was hier auf Golgatha geschieht.

„Du bist mein lieber Sohn; auf ihn sollt ihr hören!“ – das habe ich noch in den Ohren bei Jesu Taufe. Und Hoffnung erfüllte mein Herz, das sich etwas verändert in dieser Welt.

 

Doch nun halte ich die Dunkelheit aus – STILLE

Angesichts des Kreuzes wird alle Hoffnung zunichte. Der Gerechte stirbt den Tod des Frevlers!

Ich kann und will sie nicht verstehen - die Regeln dieser Welt. – STILLE

„Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“ – Worte Jesu an seinen Mitgefolterten.

 

Also gibt es Hoffnung angesichts des Kreuzes? – STILLE

„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ – noch im Todeskampf hast du, Christus, ein weites Herz für die Menschen.

„Siehe, das ist deine Mutter …!“ – „Siehe, das ist dein Sohn …!“ – Du bleibst den Deinen zugewandt.

 

Liebe bis zum Tod – STILLE

 

Vergebung im Sterben – STILLE

 

Hoffnung gegen allen Augenschein – STILLE

Und dennoch: die Macht des Todes ist übermächtig. Niemand holt dich vom Kreuz. Niemand hat Erbarmen. Den Tod stirbst du, Christus. Den Tod sterbe auch ich.

 

Ich halte die Dunkelheit aus – STILLE

Der Vorhang im Tempel reißt entzwei – die Erde bebt – Dunkelheit ergreift das Erdreich. Von ganz unten bricht sich Neues Bahn. Ich spüre es. Aber ich kann es noch nicht greifen.

Die Regeln dieser Welt werden außer Kraft gesetzt – STILLE

Ein Silberstreif am Horizont. Ich erahne das Neue in der Dunkelheit. Amen.